KBV Ulm Ehingen

Erntepressekonferenz 2026 in Ersingen

Kreisvorsitzender Ernst Buck & sein Stellvertreter Hanns Roggenkamp (v.l.)

Erntepressekonferenz KBV Ulm-Ehingen e.V. am 25.08.2026 im Gasthaus Hirsch in Ersingen.

Erntepressekonferenz: Höhere Getreidepreise retten die wirtschaftliche Bilanz nicht

Mit deutlichen Worten zur wirtschaftlichen Lage der Landwirtschaft und zu den zunehmenden Herausforderungen durch Trockenheit und Wasserknappheit hat der Vorsitzende des Kreisbauernverbandes, Herr Buck, die Erntepressekonferenz eröffnet. Die Veranstaltung begann um 18 Uhr bei der Familie Greiff in Ersingen.

Buck machte deutlich, dass höhere Preise für Getreide nicht automatisch zu höheren Einkommen auf den landwirtschaftlichen Betrieben führen. Entscheidend sei die wirtschaftliche Gesamtbilanz – und diese passe in vielen Betrieben derzeit nicht. Zu höheren Erzeugerpreisen kämen gleichzeitig hohe Rohstoff- und Betriebsmittelkosten hinzu. Auch bei den Qualitätszuschlägen gebe es in diesem Jahr keine zusätzlichen Erlöse: Weil die Eiweißgehalte im Getreide aufgrund der besonderen Witterung sehr hoch seien, zahlten die Händler keine entsprechenden Zuschläge.

Die wirtschaftliche Situation sei insgesamt angespannt. Nach Einschätzung des Kreisbauernverbandes werde keine der verschiedenen Betriebssparten in diesem Jahr ein positives Ergebnis erzielen. Damit bestätige sich die grundsätzliche Entwicklung der Ernte 2026: Ertragseinbußen und hohe Kosten belasteten die Betriebe erheblich. Im Alb-Donau-Kreis lagen die Ertragseinbußen bei vielen Kulturen häufig zwischen 20 und 40 Prozent.

Auch die Zahlen aus Baden-Württemberg unterstreichen die schwierige Lage: Der Ertrag beim Winterweizen liegt bei 67,2 Dezitonnen je Hektar und damit 8,2 Prozent unter dem langjährigen Mittel. Bei Sommergerste beträgt der Rückgang 9,7 Prozent, beim Raps 10,3 Prozent. Besonders stark betroffen ist Hafer mit einem Minus von 19,4 Prozent. Nur die früh abreifende Wintergerste liegt mit 70 Dezitonnen je Hektar leicht über dem langjährigen Mittel.

Futterknappheit bei vielen Futterbaubetrieben

Besonders angespannt ist die Situation bei vielen Futterbaubetrieben. Dort herrscht teilweise eine absolute Futterknappheit, weil das Grünland in diesem Jahr deutlich seltener geschnitten werden konnte. Bereits ein kaltes Frühjahr führte zu geringeren Erträgen beim ersten Schnitt. Anschließend verschärfte sich die Situation durch die anhaltende Trockenheit.

Die notwendigen Niederschläge für die Folgeschnitte blieben aus. Das Grünland bekam nicht genügend Wasser, sodass es vielfach zu keinem ausreichenden Wiederaufwuchs mehr kam. Weitere Schnitte waren deshalb nur noch eingeschränkt oder gar nicht möglich. Teilweise sind der dritte und vierte Schnitt vollständig ausgefallen. Landesweit rechnet der Landesbauernverband mit mindestens 30 bis 40 Prozent weniger Futter, lokal liegen die Ausfälle sogar bei bis zu 50 Prozent.

Viele Betriebe verfüttern bereits heute ihre Reserven, die eigentlich für die Wintermonate vorgesehen waren. Gleichzeitig ist der regionale Markt für Heu, Öhmd und Stroh vielerorts nahezu leer. Für noch verfügbare Ware werden teilweise Preise verlangt, die rund 50 Prozent über dem Vorjahresniveau liegen.

Die anhaltende Trockenheit stellt insbesondere für die Futterbaubetriebe eine große Herausforderung dar. Der Erntebericht für den Alb-Donau-Kreis beschreibt ebenfalls, dass die Wiesen nach dem ersten Schnitt zunehmend austrockneten und vielerorts kaum noch nennenswerter Aufwuchs möglich war.

Wasser wird zum Schlüsselfaktor

Einen zentralen Schwerpunkt seiner Ausführungen legte Buck auf das Thema Wasser. Dieses werde in Zukunft zu einem der entscheidenden Faktoren für die Landwirtschaft. Hitzephasen nähmen zu, die trockenen Perioden würden immer länger. Dadurch entstünden zunehmend Nutzungskonflikte um das vorhandene Wasser.

Die vorhandenen Wassermengen müssten deshalb künftig noch besser eingeteilt werden. Gleichzeitig müsse es gelingen, Wasser länger in der Landschaft zu halten. Eine entscheidende Rolle spielten dabei der Erosionsschutz, eine möglichst dauerhafte Bodenbedeckung und der Aufbau von Humus. Auch die Bewässerung werde für viele landwirtschaftliche Betriebe künftig eine immer größere Bedeutung bekommen.

Wie dringend diese Anpassung ist, zeigen auch die regionalen Wetterdaten: Im Raum Ulm fielen im April 2026 lediglich 11,7 Liter Niederschlag pro Quadratmeter, das entspricht nur 20 Prozent des langjährigen Mittels. Im Mai wurden 35,1 Liter pro Quadratmeter beziehungsweise 38 Prozent des langjährigen Mittels gemessen. 

Die Entwicklung sei mit erheblichen Investitionen verbunden. Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel, neue Bewässerungssysteme, angepasste Anbauverfahren und eine widerstandsfähigere Landwirtschaft kosteten Geld. „Dieser Prozess muss erst einmal finanziert werden“, machte Buck deutlich.

Planungssicherheit und neue Anbaustrategien

Für die Landwirtschaft sei Planungssicherheit wichtiger denn je. Nur wenn Betriebe langfristig planen könnten, seien die notwendigen Anpassungen möglich. Eine wichtige Rolle spielten dabei auch die Züchtung robusterer Sorten sowie vielfältige Fruchtfolgen. Sie könnten dazu beitragen, die Landwirtschaft widerstandsfähiger gegen Trockenheit und Hitze zu machen.

Die außergewöhnliche Trockenheit des Jahres 2026 habe gezeigt, wie dringend diese Anpassungen seien. Bereits ab März fehlten nachhaltige Niederschläge, während gleichzeitig hohe Temperaturen die Entwicklung der Kulturen belasteten. Besonders betroffen waren Sommerungen und das Grünland.

Der Landesbauernverband fordert deshalb langfristig unter anderem eine stärkere Förderung von Investitionen in die Klimaanpassung und Bewässerung sowie mehr Unterstützung für Forschung, Innovation und moderne Züchtungstechnologien.

Regionale Versorgung ist keine Selbstverständlichkeit

Buck betonte außerdem die gemeinsame Verantwortung für die Versorgung mit Lebensmitteln. Regionale Lebensmittel seien keine Selbstverständlichkeit. Sie könnten nur dann dauerhaft erzeugt werden, wenn es wirtschaftlich tragfähige landwirtschaftliche Betriebe gebe, die auf guten Böden und mit einer ausreichenden Wasserversorgung produzieren könnten.

Die Wirtschaftlichkeit müsse deshalb an oberster Stelle stehen. Nur wenn die Betriebe überleben und kostendeckend wirtschaften könnten, sei auch eine langfristige regionale Produktion möglich. Der Landesbauernverband fasst die Situation ähnlich zusammen: Wer auch künftig eine sichere Versorgung aus der Region möchte, müsse dafür sorgen, dass die landwirtschaftlichen Betriebe wirtschaftlich handlungsfähig bleiben.

Mit Blick auf den internationalen Wettbewerb forderte Buck zudem gleiche Bedingungen. Produkte, die aus dem Ausland nach Deutschland importiert werden, müssten nach seiner Auffassung unter denselben Vorgaben hergestellt werden, die auch für die heimische Landwirtschaft gelten.

Sein Fazit: Die Landwirtschaft steht vor großen Herausforderungen. Die Zahlen der Ernte 2026 zeigen deutlich, wie stark die Folgen von Trockenheit und Hitze die Betriebe treffen. Anpassungen an Wasserknappheit und Wetterextreme sind notwendig – sie müssen jedoch wirtschaftlich machbar und finanzierbar sein. Denn nur wirtschaftlich tragfähige Betriebe können auch in Zukunft regionale Lebensmittel erzeugen und damit einen wichtigen Beitrag zur Versorgungssicherheit leisten.